Hinter jedem Kraut, jeder Frucht und jedem Baum in unserem Römergarten verbirgt sich ein menschliches Schicksal. Für die einen war die Olive ein Stück verlorene Heimat, für die anderen war der Apfel ein nie gekannter Luxus. Während der Feldherr den Lorbeer als Symbol seines Sieges trug, pflegte die Sklavin den Knoblauch als lebensnotwendige Medizin gegen die rheinische Kälte.
Pflanzen waren im römischen Germanien weit mehr als nur Nahrung – sie waren Statussymbol, Heilmittel, Handelsware und ein Stück vertraute Kultur in der Fremde.
Tauchen Sie ein in die Gedankenwelt der Menschen, die vor 2.000 Jahren hier lebten:
Lauschen Sie dem stolzen Gajus Julius Caesar, begleiten Sie die kleine Ursula in den Baumgarten oder erfahren Sie vom Händler Marcus, welche exotischen Schätze er über die Meere bis nach Neuss brachte.
Klicken Sie auf die Audiodateien unter den Pflanzen-Symbolen, um ihre ganz persönlichen Geschichten zu lesen:

Ich heiße Louba und stamme aus einer alten einheimischen ubischen Familie. Mein Vater Gastinasus hat mich mit einem Römer verheiratet. Mein Ehemann Quintus Cornelius ist Soldat und stammt aus der Nähe von Rom.
Das Leben in einer römischen Garnison ist ein Traum. Die vielen herrlichen Speisen! Das ganze süße Obst, das jetzt in unserem Garten wächst! Pflaumen, Äpfel, Birnen… Dazu können wir Feigen, Datteln und getrocknete Trauben in den Geschäften kaufen.
Wie eintönig und langweilig war doch das Essen in meiner Kindheit. Jeden Tag gab es Brei. Die einzigen süßen Sachen, die wir kannten, waren Honig sowie ein paar Himbeeren und Brombeeren, die wir im Sommer am Waldrand pflücken konnten.

Salve, ich bin Lucius Licinius Lucullus. Als römischer Senator und erfolgreicher Feldherr habe ich mir viele Verdienste erworben. Heute bin aber vor allem durch meinen Reichtum und meine berühmten Gastmähler bekannt, bei denen sich die Tische vor köstlichen Speisen bogen.
Das Wort „lukullisch“ habt ihr sicher schon einmal gehört, wenn etwas besonders lecker schmeckt oder viele leckere Speisen auf dem Tisch stehen. Das geht auf meinen Namen und meine luxuriöse Lebensweise zurück. Die habe ich mir aber auch verdient als siegreicher Feldherr.
Von meinen Feldzügen habe ich auch etwas ganz Besonderes mitgebracht, was ihr alle bestimmt gerne esst: die Kirsche. Die stammt nämlich aus der heutigen Türkei und war bis dahin im Römischen Reich nicht heimisch. Und nur deshalb könnt ihr heute auch hier gut Kirschen essen!

Ich heiße Syra und stamme aus der Region, die die Römer Syria nennen. Nun diene ich fern meiner Heimat im Castrum Novaesium, im Lazarett der Soldaten. Als Sklavin arbeite ich im valetudinarium, das viele Krankenzimmer hat – so viele, dass in schweren Zeiten Hunderte Verwundete und Kranke darin untergebracht werden können.
Meine Tage verbringe ich damit, Wasser zu holen, Verbände zu reinigen und den Arzt zu unterstützen, so gut ich kann. Oft begleite ich ihn auch in den Hof des Krankenhauses. Dort wachsen die Heilkräuter, die er dem Kommandanten empfohlen hat.
Ich kümmere mich um den Knoblauch, den Thymian und den Salbei, gieße sie und ernte sie, wenn sie gebraucht werden. Wenn die Soldaten husten und frieren, mischen wir die Kräuter mit gutem germanischem Honig. Er ist dunkel und kräftig im Geschmack, anders als der aus meiner Heimat – aber er lindert den Schmerz und beruhigt die Kehlen.
Der Arzt sagt, diese Mittel helfen gegen die vielen Erkältungen, die das feuchte und kalte Germanien mit sich bringt. Für die Soldaten sind sie Medizin. Für mich sind sie vor allem Arbeit – und manchmal ein leiser Trost in einem fremden Leben, weit entfernt von der Sonne Syriens.

Ich, Gajus Julius Caesar, habe Gallien und das angrenzende Germanien bis zum Rhein erobert. Wie ärmlich lebten doch die Germanen hier am Niederrhein, bevor ich diesen Barbaren die Zivilisation brachte! Sie wohnten in kleinen armseligen Hütten, bauten etwas Getreide an, lebten hauptsächlich von Milch und Fleisch und gingen auf die Jagd.
In diesem schrecklichen kalten Germanien musste ich mir auch Sorgen um die Gesundheit meiner Soldaten machen. Im Winter wurden sie scharenweise krank, weil ihnen frisches Obst und Gemüse fehlte. Dann erinnerte ich mich daran, was ich in einem alten Buch über die wundersame Heilkraft von Sauerampfer gelesen hatte, und ließ das Kraut eingelegt in Amphoren an den Rhein bringen. Von nun an waren meine Soldaten schlagartig wieder gesund und kampfbereit.
Auch wenn es das Römische Reich schon lange nicht mehr gibt, ist uns Römern doch Vieles zu verdanken, nicht nur die vielfältige Pflanzenwelt. Und so gehören einige unserer Hinterlassenschaften heute sogar zum UNESCO-Weltererbe, wie der Niedergermanische Limes. Ich habe mir den Lorbeerkranz doch wirklich verdient!

Mit meiner Einheit, der 3. Lusitanischen Kohorte, bin ich aus dem schönen sonnigen Spanien in das düstere Germanien versetzt worden. Ich heiße Julius Tiberius Pancuius und habe die Ehre, für meine Einheit das Feldzeichen zu tragen.
Ach, hätten wir doch hier am Rhein auch so schöne Olivenbäume und Weinreben wie in meiner Heimat. Immerhin versorgen uns die Militärtransporte regelmäßig per Schiff mit Olivenöl, eingelegten Oliven, Fischsauce und Wein aus meiner sonnigen Heimat, im heutigen Portugal.

Ich, Lucius Cornelius Pusio, heiße Euch als Kommandant der XVI. legio gallica im Castrum Novaesium an der Grenze zum Barbaricum willkommen. Natürlich vermisse ich hier die schönen Gärten Roms, aber es ist für mich eine große Ehre, für Kaiser Nero Claudius dieses Lager leiten zu dürfen.
In meinem Haus hier im Legionslager habe ich im Atrium, dem Innenhof, einen Ziergarten anlegen lassen. Dort wachsen nun schön geschnittene Buchsbäume und auch Rosen, deren Duft ich so sehr vermisst habe. In diesem Garten kann ich nun zur Ruhe kommen und Kräfte sammeln, die ein Kommandant an der Grenze des Römischen Reiches reichlich braucht.

Ich heiße Ursula und bin acht Jahre alt. Heute gehe ich mit meiner Mutter in unseren Baumgarten. Dort hat mein Vater auch Walnussbäume angepflanzt und die Nüsse sind jetzt endlich reif.
Die Walnüsse schmecken aber nicht nur gut, sie sind auch sehr gesund und man kann sie für den Winter gut einlagern. Aber wir essen sie nicht nur. Wir nutzen sie auch als Murmeln für unsere Spiele. Komm und versuche es doch auch einmal hier im Römischen Garten!

Ich bin Marcus Valerius Lusius und als Händler versorge ich auch hier die Soldaten im Legionslager vor allem mit Wein, aber auch mit anderen Köstlichkeiten. Meine Waren hole ich aus dem Mittelmeergebiet und bringe sie mit meinem Schiff über den Atlantik, die Nordsee und die Rheinmündung auch nach Novaesium.
Früher konnte ich bessere Geschäfte machen, denn als die ersten Soldaten nach Niedergermanien kamen, gab es hier nichts. Dann aber fingen sie an, Obstbäume, Kohl, Knoblauch und allerlei Gewürze aus Italien hierherzubringen und hier auch anzupflanzen. Dadurch habe ich viel von meinem früheren Gewinn eingebüßt. Doch zum Glück gibt es noch viele erlesene Pflanzen, die nicht im kalten Germanien wachsen. Daher verdiene ich das meiste Geld jetzt mit Datteln, Feigen, Pfeffer und Mandeln. Letztens konnte ich meinen Kunden sogar Reis aus dem fernen Asien anbieten. Den hatte mein Zwischenhändler aus Indien mitgebracht.